Program

Regime. Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird. Ein öffentlicher Workshop

Venue | Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien, Aktzeichensaal, Souterrain: S5

Regime | Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird. Ein öffentlicher Workshop.

Grafik: Toledo i Dertschei (nach El Lissitzky, ‘Mit dem roten Keil – Schlag die Weissen’, 1920)
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Um Organisationen von Macht und Aspekte von Herrschaft zu beschreiben, wird immer wieder der Begriff des Regimes zur Hilfe genommen: Man spricht vom Akkumulations-, Migrations-, Blick- oder ästhetischen Regime. Aber für wen und warum gilt der Regimebegriff als nützlich und produktiv?
Einerseits besitzt der Begriff das Potenzial, Politik- und Ökonomietheorie, visuelle Kultur und Ästhetik aufeinander zu beziehen und in ihrer Wechselwirkung zu verstehen – als Ergänzung oder Alternative zu verwandten Konzepten wie “Hegemonie” oder “Empire”. Andererseits ist der Gebrauch des Regimebegriffs sehr weitläufig und oft ungenau und spekulativ.
Der Workshop wird vom Konzept “Regime” ausgehen, um spezifische Formen des Politischen zu untersuchen. Unter “Formen” werden dabei ästhetische Formalisierungen von Ausdruck verstanden. In ihnen verdichtet und zeigt sich die Praxis und die Performativität gesellschaftlicher Arrangements und politischer Kräfteverhältnisse, die als “Regime” beschrieben werden können. Der Workshop bietet Versuchsanordnungen an, in denen entlang verschiedener Theorielinien und Materialien diskutiert wird, ob sich der Ansatz, vom Regime her zu denken, für macht- und herrschaftskritische Analysen eignet oder nicht.
Freitag, 28. Mai 2010 [Wie sprechen Regime?]
15:00-19:00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Maren Grimm/Johanna Schaffer: Zwei oder drei Filmausschnitte, um zu thematisieren, wie Dominanz über die Formalisierung von Ausdruck organisiert wird.
Manuela Bojadžijev: Grenz- und Migrationsregime.
Was können wir uns vorstellen und nicht vorstellen, wenn wir über Grenz- und Migrationsregime sprechen?
17:15-17:45 Pause
Ulrich Brand: Internationale Regime.
In der Politikwissenschaft und insbesondere in der Teildisziplin der Internationalen Beziehungen zeigt der Regimebegriff politische Koordinationsmechanismen an, insbesondere zwischen Regierungen, aber auch in Kooperation mit gesellschaftlichen Akteuren. Prominant wurde in diesem Zusammenhang der Begriff der (Global) Governance. Was sind die Semantiken des Regime-Begriffs? Welche Sachverhalte werden fokussiert, welche ausgelassen? Ist er aus einer herrschaftskritischen Perspektive brauchbar?
Samstag, 29. Mai 2010 [Wie sprechen wir in Regimen?]
10:00-18:00 Uhr
Plattform Geschichtspolitik
Die Plattform Geschichtspolitik nimmt mit einem geschichtspolitischen Rundgang, einer Präsentation ihrer Arbeit sowie anschließender Diskussion am Symposium teil.
Ruth Sonderegger: Ästhetische Regime (im Ausgang von Jacques Rancière)
Wie verhalten sich die drei Regime der Kunst, die Rancière ausgemacht hat, zu jener “ersten oder allgemeinen” Ästhetik, die regelt, was in einer bestimmten Epoche sag-, denk- und wahrnehmbar ist? Ist diese erste Ästhetik tatsächlich der Schauplatz, auf dem Kunst und Politik sich treffen und streiten? Mit Blick auf den Beitrag der Plattform Geschichtspolitik.
13:00-14:00 Pause
Marlene Streeruwitz: Film “Son et lumière” (Streeruwitz, A 2010) und Diskussion
nicht so gedacht werden zu wollen. darum geht es. also. son et lumière über die entbitterung von geschlechtsentwürfen. diesmal anhand von frauenleben. und es ist ein versuch.
Libertina Bomba: Handlungsspielräume aufreissen – Regime verschrotten
Frühlingsaktion – die Regimeverschrottungsprämie: Verschrotten Sie ihre Handlungsregime und erhalten sie dafür neuwertige Handlungsspielräume! Alle Regime auf die Schrottplätze der Geschichte!
Lina Dokuzović: Europe’s regime of a higher education area and its mobility of commodified knowledge
While the so-called European Higher Education Area promotes the maximal mobility of higher education within Europe, it supports structural discrimination, the result of which is two classes of movement, mobility and migration, creating a growing regime of knowledge production.
Der Workshop wird, auf Initiative des CAK (Center for Art/Knowledge) an der Akademie der bildenden Künste Wien, gemeinsam organisiert von Petja Dimitrova, Eva Egermann, Maren Grimm, Tom Holert, Jens Kastner und Johanna Schaffer. Alle lehren an der Akademie der bildenden Künste Wien und sind entweder Künstler_innen und/oder Kunsttheoretiker_innen.
Manuela Bojadžijev ist Politologin und lehrt an der Humboldt Uni Berlin.
Ulrich Brand ist Politologe und lehrt an der Universität Wien.
Lina Dokuzović ist Künstlerin und forscht zu Bildungsregimen.
Plattform Geschichtspolitik, angesiedelt an der Akademie der bildenden Künste, beschäftigt sich mit der Herstellung eines kontinuierlichen Prozesses, in dem die Teilhabe der Akademie der bildenden Künste an Kolonialismus, (Austro-)Faschismus und Nationalsozialismus kritisch reflektiert und öffentlich verhandelt wird.
Libertina Bomba ist Aktivist_in und ein Pseudonym für viele(s).
Ruth Sonderegger ist Philosophin und lehrt an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Marlene Streeruwitz ist Schriftstellerin und lebt in Wien.
Zum Workshop erscheint die Ausgabe des Bildpunkt. Zeitschrift der IG Bildende Kunst (Wien) zum Thema “Regimestörungen” (Frühling 2010).